Was ge­nau ist die Fahr­rin­nen­an­pa­ssung?

Die Fahrrinne, also der für die Seeschifffahrt genutzte Teil der Elbe, wird von Hamburg bis zur Elbmündung vertieft und an einigen Stellen verbreitert.

Anders als bei allen vorherigen Vertiefungen der Elbfahrrinne gibt es diesmal ein umfangreiches Strombaukonzept, um die Tideenergie zu dämpfen und damit größere Veränderungen der Strömung und der Wasserstände zu verhindern. Dazu werden aus dem ausgebaggerten Elbgrund mehrere Unterwasserbauwerke errichtet. Beeinträchtigungen der Umwelt durch den Ausbau werden durch umfangreiche ökologische Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen. In einem langfristigen Beweissicherungsprogramm werden Fachexperten den Zustand des Gewässers einschließlich dort lebender Pflanzen- und Tierarten laufend erfassen und auswerten.

Grafik: Die Baumaßnahmen der Fahrrinnenanpassung

Warum wird die Fahrrinne ausgebaut?

Schiffe sollen den Hamburger Hafen mit einem Meter mehr Tiefgang anlaufen und verlassen können. In Zukunft sind folgende Tiefgänge möglich:

  • Tiefgang von 13,5 m tideunabhängig.
    (Tideunabhängig bedeutet, dass Schiffe den Hafen jederzeit ansteuern und verlassen können.)
  • Tiefgang von 14,5 m tideabhängig
    (Tideabhängig heißt, dass Schiffe in einem definierten  Zeitfenster die erhöhten Wasserstände während der Flut nutzen.)

Das Begegnen von Schiffen im Gegenverkehr wird erleichtert, Wartezeiten werden verringert oder vermieden. Deshalb wird die Fahrrinne streckenweise verbreitert und eine spezielle Begegnungsstelle für besonders breite Schiffe eingerichtet.

Wer setzt die Fahrrinnenanpassung um?

Der Ausbau der Fahrrinne ist ein Gemeinschaftsprojekt  der HPA und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), vertreten durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hamburg. Die Ausbaustrecke der HPA reicht von der Landesgrenze bei Wedel fast bis zum St. Pauli Fischmarkt an der Norderelbe und bis zum Containerterminal Altenwerder an der Süderelbe.

Elbabwärts der hamburgischen Landesgrenze bis zur Elbmündung wird die Fahrrinne von der dort zuständigen WSV ausgebaut. HPA und WSV arbeiten bei Planung und Realisierung eng zusammen.

Grafik: Zuständigkeiten bei der Fahrrinnenanpassung

Welche Baumaßnahmen werden in Hamburg umgesetzt?

In Hamburg besteht das Projekt Fahrrinnenanpassung aus vier Teilprojekten: Neben dem Ausbaggern der Elbe sind das der Bau einer Uferbefestigung auf der Ostseite des Köhlbrands, die Verlegung der Richtfeuerlinie Blankenese sowie die Erneuerung eines Dükers zwischen dem Falkensteiner Ufer und der Elbinsel Neßsand.

Außerdem werden in Hamburg  drei Ausgleichsmaßnahmen gebaut, mit denen elbetypische Lebensräume geschaffen werden, in den sich insbesondere auch der streng geschützte Schierlings-Wasserfenchel ansiedeln soll:  

1.         Die Umgestaltung von zwei ehemaligen Absetzbecken des Wasserwerks auf der Billwerder Insel

2.         Verbesserung von Lebensräumen im Naturschutzgebiet Zollenspieker

3.         Entwicklung eines tidebeeinflussten Flachwassergebietes Spadenlander Busch / Kreetsand

Welche Maßnahmen werden von der Hamburger Landesgrenze bis zur Elbmündung von der WSV umgesetzt?

Auf der Strecke hinter Hamburgs Landesgrenze wird die Elbe von der WSV vertieft und streckenweise verbreitert. Nach dem Strombaukonzept werden im Mündungsbereich der Elbe mehrere Unterwasserbauwerke errichtet, in die das Baggergut der Fahrrinnenanpassung eingebaut wird. So wird die Tideenergie gedämpft und damit größere Veränderungen der Strömung und der Wasserstände verhindert. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Ausgleichsmaßnahmen entlang der Bundesstrecke – sechs in Niedersachsen sowie neun weitere in Schleswig-Holstein.

Wo finde ich Informationen zur Historie des Projekts?

Im Download-Center finden Sie unter dem Stichwort „Fahrrinnenanpassung“ alle Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens sowie das Dokument Projekthistorie mit einer Übersicht zum Genehmigungsverfahren.

Ausbau der Fahrrinne

Welche Tiefe wird gebaggert?

Im Hamburg wird die Solltiefe der Fahrrinne von heute NN -16,70 Meter auf NN - 17,30 Meter westlich des neuen Elbtunnels und NN -17,40 Meter östlich des neuen Elbtunnels ausgebaut.

Welche Breite wird gebaggert?

Die auf Hamburger Gebiet heute zwischen 200 und 250 Meter breite Fahrrinne wird streckenweise um 20 Meter verbreitert.

Was ist die Begegnungsbox?

Außerdem wird zwischen Blankenese und der Landesgrenze eine Begegnungsstrecke geschaffen. Dort wird die Fahrrinne auf 385 Meter verbreitert, damit sich große Schiffe im Gegenverkehr sicher und leicht begegnen können.

Wo wird gebaggert?

Da die Elbe an verschiedenen Stellen unterschiedlich tief ist, muss bei der Vertiefung nicht flächendeckend ausgebaggert werden. Auf Basis von Peildaten wird der Gewässergrund dort, wo es nötig ist, abgetragen, bis die neue Solltiefe überall erreicht ist.

Wofür wird das Baggergut verwendet?

Das Baggergut der Fahrrinnenanpassung wird überwiegend für die Errichtung strombaulich wirksamer Unterwasserbauwerke in der Elbmündung verwendet. Diese Unterwasser-Ablagerungsflächen werden als Bodenschwellen dort eingebaut, wo für die Schifffahrt keine große Wassertiefe erforderlich ist. Sie dämpfen die aus der Nordsee einströmenden Gezeiten. Größere Veränderungen von Strömungen und Wasserständen durch den Fahrrinnenausbau werden so vermieden.

RICHTFEUERLINIE BLANKENESE

Was ist eine Richtfeuerlinie?

Eine Richtfeuerlinie dient Schiffen als Orientierungshilfe. Sie besteht aus zwei Leuchttürmen, dem Unterfeuer und dem Oberfeuer. Wenn sich beide Türme bzw. ihre weiß blinkenden Feuer bei Nacht oder schlechter Sicht in einer Linie hintereinander befinden, fährt das Schiff im sicheren Fahrwasser. In der Regel zeigen Richtfeuer die Mitte des Fahrwassers an.

Warum muss die Richtfeuerlinie Blankenese neu gebaut werden?

Schiffe, die in den Hamburger Hafen einlaufen, orientieren sich an der Richtfeuerlinie Blankenese. Da sich im Zuge der Fahrrinnenanpassung durch den Bau der Begegnungsstrecke die Kurslinie für einlaufende Schiffe nach Süden verschiebt, muss auch die Richtfeuerlinie in Blankenese in Zukunft weiter südlich stehen.

Was passiert mit den alten Leuchttürmen?

Nachdem die Begegnungstrecke in Betrieb ist und die neuen Leuchttürme funktionstüchtig sind, werden die alten Türme unverzüglich abgebaut. Das ist erforderlich, um eine Verwechslung der neuen Türme mit den außer Dienst gestellten alten Türmen zu vermeiden. 

WO WERDEN DIE NEUEN LEUCHTTÜRME STEHEN?

Der neue Turm des Un­ter­feu­ers ent­steht auf ei­ner Platt­form im Was­ser ne­ben dem Blan­ke­ne­ser An­le­ger, der neue Turm des Ober­feu­ers wird auf ei­ner Grün­flä­che ne­ben dem Müh­len­ber­ger Sport­bootha­fen er­rich­tet.

UFERBEFESTIGUNG KÖHLBRAND-OST

Warum ist am Köhlbrand eine verstärkte Uferbefestigung erforderlich?

Als wichtiger Zufahrtsweg zu den Containerterminals wird auch die Fahrrinne des Köhlbrands vertieft. Da der Köhlbrand deutlich schmaler ist als etwa die Norderelbe, würde bei einer Vertiefung auf der jetzigen Trasse das Gefälle vom Ufer zur Fahrrinne zu steil.

Damit nur auf einer Seite des Köhlbrands das Ufer neu gesichert werden muss, wird die Fahrrinne um 15 Meter nach Osten verschoben und die östliche Uferbefestigung verstärkt. So ist auch nach der Vertiefung der Fahrrinne die Stabilität des Ufers im Köhlbrand gewährleistet.

DÜKER NESSSAND

Was ist ein Düker?

Ein Düker ist eine rohrartige Leitung zur Unterquerung einer Straße, eines Flusses oder von Bahngleisen. In einem Düker können Flüssigkeiten und Gase transportiert oder Kabel verlegt werden.

Warum muss der bestehende Düker ersetzt werden?

Zwischen dem Falkensteiner Elbufer und der Insel Neßsand verläuft schon heute ein Düker unter der Elbe hindurch. Er verbindet einen Radarturm der HPA über Leitungen für Wasser, Strom und Daten mit dem Festland. Dieser Turm gehört zu einer Kette von Radaranlagen, mit deren Hilfe der Schiffsverkehr zwischen der Elbmündung und Hamburg überwacht wird.

Durch die Baggerarbeiten der Fahrrinnenanpassung wird der Abstand zwischen dem Düker und dem zukünftigen Gewässergrund reduziert, so dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Düker durch die Strömung freigespült oder durch einen Schiffsanker beschädigt wird. Deshalb muss ein tiefer liegender Düker gebaut werden, der den heutigen Düker ersetzt.

Ausgleichsmaßnahmen

Um ausbaubedingte Verluste wertvoller, an das Tidegeschehen angepasster Lebensräume und des nur an der Tideelbe vorkommenden Schierlings-Wasserfenchels auszugleichen, werden an drei Orten in Hamburg ökologische Aufwertungsmaßnahmen durchgeführt.

Tideanschluss Billwerder Insel

Auf der Billwerder Insel südlich des Holzhafens liegen vier ehemalige Absetzbecken von Hamburg Wasser, die 1990 stillgelegt wurden. Die beiden nördlichen Becken werden zu tidebeeinflussten Bereichen umgebaut, so dass die geschützte Pflanzenart Schierlings-Wasserfenchel dort wachsen kann. Die Flächen werden verbunden sowie mit Prielen und Wattflächen gestaltet. Außerdem werden Gehölzinseln geschaffen, auf denen Auwald anwachsen kann. Die Tide wird aus dem Holzhafen einströmen.

Naturschutzgebiet Zollenspieker

Das NSG Zollenspieker befindet sich am nördlichen Ufer der Oberen Tideelbe im Bezirk Hamburg-Bergedorf. Dort wird ein bestehender Priel vertieft, verbreitert und in seiner Längsausdehnung vergrößert. Damit ist der neue Priel künftig beidseitig mit der Elbe verbunden und die Tide kann ungehindert ein- und ausströmen. Zudem werden streckenweise Uferbefestigungen zurückgebaut und dort kleine Buchten („Schlenzen“) angelegt. Stellenweise soll das Höhenprofil des Naturschutzgebiets so verändert werden, dass sich an wechselnde Tideverhältnisse angepasste Lebensgemeinschaften besser ausbreiten können.

Ziel der Maßnahme ist ein vielfältig strukturierter Lebensraum, gekennzeichnet durch eine intensive Verzahnung von Wasserflächen, Wattbereichen und unregelmäßig überfluteten Landbereichen. Durch die Aufweitung des Priels werden weitere Siedlungsmöglichkeiten für den Schierlings-Wasserfenchel geschaffen. Darüber hinaus sorgt die Maßnahme dafür, dass sich der seltene und schützenswerte Tideauwald ausbreiten kann.

Flachwassergebiet Kreetsand

Um das Tidegeschehen und damit die Sedimentation im Hamburger Hafen zu dämpfen, wird östlich von Wilhelmsburg ein Überflutungsgebiet geschaffen. Damit steht dem auflaufenden Wasser in Zukunft mehr Flutraum zur Verfügung. Dafür wird das bereits rückgedeichte ehemalige Spülfeld Spadenlander Busch / Kreetsand zu einem großen Teil wieder abgegraben. In das zukünftig ca. 30 Hektar große Flachwassergebiet wird die Tide frei ein- und ausströmen können. So entsteht ein zusätzliches Tidevolumen von rund einer Million Kubikmeter. Dieses dann tidebeinflusste Gebiet bietet auch optimale Wuchsbedingungen für den Schierlings-Wasserfenchel.


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