INTERVIEW MATTHIAS GRABE, CHIEF TECHNICAL OFFICER BEI DER HPA

Große Expertise, klare Ziele und die Liebe zum Hafen: Matthias Grabe vereint in seiner Position als technischer Geschäftsführer der Hamburg Port Authority Profession und Persönlichkeit. Wasser, Schiene und Straße – hier ist der Ingenieur ebenso zuhause, wie in der Hansestadt. Mit der Anstellung bei der HPA schließt sich der Kreis in seinem Ingenieursleben und geht für ihn ein Traum in Erfüllung. Wie er über die Verantwortung der HPA, ihre Potentiale und Eigenheiten sowie über seine eigene Rolle denkt, gibt Matthias Grabe hier exklusiv preis.

Name:                       Matthias Grabe
Bei der HPA:             seit 2017
Position:                   Chief Tech­ni­cal Of­fi­cer,
                                  Mit­glied des Man­age­ment Boards

Zur Person

Mat­thi­as Gra­be stu­dier­te Bau­in­ge­nieur­we­sen an der TU Braun­schweig mit Spe­zia­li­sie­rung an der ETH Zü­rich. Als Ver­tie­fung wähl­te er die Fä­cher Kon­struk­ti­ver In­ge­nieur­bau, Was­ser­bau, Um­welt­tech­nik, so­wie in der Schweiz Geo­tech­nik und Tun­nel­bau. Nach der „klas­si­schen“ In­ge­nieur-Pra­xis bei HOCH­TIEF und Lud­wig Frey­tag fokussierte er sich auf die Bud­get- und Per­so­nal­ver­ant­wor­tung in Un­ter­neh­men und auf die Pro­jekt­lei­tung von Groß­pro­jek­ten – auf Auf­trag­neh­mer­sei­te als auch für Bau­her­ren, Pro­jekt­ent­wick­ler und In­ves­to­ren. Er war Ge­schäfts­füh­rer bei DB Net­ze sowie der Wie­be-Grup­pe und leitete meh­re­re Jah­re den DB-Brü­cken­bei­rat.

Herr Grabe, erzählen Sie uns zu Beginn bitte kurz ein paar Dinge zu sich und zu Ihrem Werdegang.

Matthias Grabe: „Ich bin in einem Dorf in der Südheide aufgewachsen – und mit der Landwirtschaft groß geworden. Mein Vater war Maschinenmeister, so durfte ich schon ganz früh in die Technik reinschnuppern. Das hat mich geprägt. Da war es naheliegend, Bauingenieurswesen zu studieren.

Nach dem Studium habe ich meine ersten Erfahrungen in einem Ingenieursbüro in Hamburg gesammelt, einer der Hauptkunden hieß damals passenderweise Strom und Hafenbau. Zu meinen ersten Projekten gehörte damals der Hafenausbau in Altenwerder. Nach einer Spezialausbildung an der ETH Zürich im Tunnelbau und in der Tonmineralogie war ich anschließend in ganz Deutschland unterwegs, habe am Aufbau Ost mitgewirkt, Bauaktiengesellschaften und Mittelstandsfirmen von der Bauleitung bis in die Führungsebenen kennen gelernt.

Über Stationen unter anderem bei Hochtief, Ludwig Freytag, Airbus und der Deutschen Bahn bin ich nun wieder bei der HPA im Hamburger Hafen gelandet. Damit schließt sich der Kreis – und da bin ich sehr stolz drauf, denn für mich ist es ein Traum, hier zu arbeiten. Zum einen, weil ich hier zuhause bin; zum anderen, weil ich bei der HPA mit Wasser, Schiene und Straße alle Bereiche, die ich in meinem Ingenieursleben kennen gelernt habe, vereinen kann. Und das auf knapp 8.000 Hektar geballt vor der Haustür – das ist schon klasse!“

Was waren für Sie die Highlights in den ersten vier Monaten bei der HPA?

Matthias Grabe: "Mein absolut persönlichstes Highlight war – und ist es eigentlich noch immer - dass ich in allen Sparten und auf allen Ebenen mit offenen Armen empfangen wurde. Das ist eine tolle Motivation für meine Arbeit bei der HPA.

Ja, und dann hat mich natürlich genau der Virus infiziert, den wir bei HPA glaube ich fast alle haben: Hafen ist einfach faszinierend! Die Menschen im Hafen, das Lebensgefühl, die Wassernähe, die unglaublich vielen Aufgaben, die hier erledigt werden müssen. Das wird mir tagtäglich bewusst, insofern ist es schwierig, einzelne Höhepunkte meiner ersten vier Monate festzumachen – es sind enorm viele.

Um eines konkret zu nennen, fällt mir natürlich die Eröffnung der Rethebahnklappbrücke Mitte Dezember ein. Hier haben unsere Mitarbeiter gemeinsam ein wirklich imposantes Bauwerk erschaffen und vollendet. Das war eine große Leistung für alle Beteiligten."

Sie haben sicherlich viele Potenziale und Eigenheiten kennen gelernt: Was macht für Sie die HPA aus, was ist das Besondere?

Matthias Grabe: "Wir liegen mit unserem Hafen mitten in der Stadt – und deshalb herrscht hier bei unseren Projekten eine ganz andere Denke. Wir haben bei allem, was wir machen, ganz viele Anknüpfungspunkte in die Stadt, sind oft auch Vorreiter für die gesamte Stadt. Und der Hafen ist natürlich auch immer ein besonders emotionaler Teil Hamburgs – aber auch ein großer Geldbringer für die Stadt und ihre Menschen. Dem ist sich die HPA bewusst, daraus erwächst aber auch unsere Verantwortung."

Und wo sehen Sie die HPA in zehn Jahren?

Matthias Grabe: "In zehn Jahren sind wir eine noch weiter digitalisierte Organisation, bei der Technik und Handwerk wieder ganz stark im Fokus stehen – beides schließt sich nicht aus, sondern wird sich enorm ergänzen. Wir werden auf dem Smartphone ablesen können, in welchem Zustand sich unsere gesamte Infrastruktur befindet – und wissen immer sehr genau, wann welche Maßnahmen anstehen. Aber was ich immer sage: Mit dem Smartphone werden keine Schrauben festgezogen und keine Schweißnähte gezogen. Digitalisierung erleichtert vieles, aber sie baggert keinen Schlick und füllt keinen Beton in die Schalung – das machen Menschen mit ihrer Handarbeit. In der Kombination von Technik, Handwerk und Digitalisierung werden wir uns zu einem anerkannten technischen und kaufmännischen Dienstleister für die Stadt und die Hafenbetriebe entwickeln.

Gerade als Ingenieur ist es mir ein Anliegen, die HPA zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland oder sogar in Europa zu machen – mit einer attraktiven Stadt, einem tollen Umfeld, dem Hafen als spannendes Feld für alle Berufsgruppen sowie einem ganz ausgeprägten Sinn für Verantwortung des Einzelnen für seine Aufgabe. Ich bin sicher, wir werden in 10 Jahren wesentlich mehr Frauen beschäftigen als heute – insbesondere in leitenden Positionen. Und das wird so sein, weil wir eine ausgewogene Work-Life-Balance ermöglichen und die persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertschätzen."

Wie sehen Sie Ihre Rolle innerhalb der HPA-Geschäftsführung?

Matthias Grabe: "An erster Stelle steht immer die gemeinsame Verantwortung der Geschäftsführung für 1.800 Mitarbeiter – derer sind wir uns sehr bewusst. Wie meine Bezeichnung als CTO nahelegt, liegt bei mir der technische Part. Diesen möchte ich fachlich, aber auch von der menschlichen Seite her voranbringen. Mir ist es wichtig, Visionen zu entwickeln, in denen sich die Mitarbeiter wiederfinden. Als Geschäftsführung bringen wir diese Aspekte schließlich zusammen und sorgen dafür, dass alles wie aus einem Guss kommt. Persönlich ist für mich der Begriff Vorstand aber immer aus zwei Worten zusammengesetzt – Vorbild und Anstand. Ich bin zwar kein Vorstand, aber die Begrifflichkeit passt durchaus zu meiner Sicht auf die Aufgabe."

Und jetzt nur als Ingenieur gefragt: wo liegen die größten Stärken der HPA?

Matthias Grabe: "Ganz klar: Im Hafenbau und in der Hafentechnik. Da macht uns im Denken, in der Flexibilität und in der Projektabwicklung niemand etwas vor. Und das kommt nicht von ungefähr. Ich sage immer: keine Zukunft ohne Herkunft – denn wir wären nicht da wo wir heute sind, wenn wir nicht diese unglaubliche, auch historisch gewachsene Expertise hätten. Um es bildlich zu sagen: Für mich besteht ein Unternehmen aus den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde. Im Bereich Feuer sind wir weit vorn – weil bereits viele Kollegen für ihre Projekte brennen. Besonders ausgeprägt ist aber in der HPA der Bereich Erde, unsere Basis. Bei Hafenwissen sind wir eben unschlagbar und einzigartig. Das kann ich als Ingenieur, aber auch als ehemaliger Auftragnehmer, der für fast alle öffentlichen Auftraggeber bereits gearbeitet hat, nur bestätigen. Insofern ist unsere Stärke, Feuer und Erde zusammenzubringen."

Sie bringen sehr viel Erfahrung mit. Wenn Sie zurückblicken: Was war Ihr größter Fehler, und was haben Sie daraus gelernt?

Matthias Grabe: "Am Anfang meiner Führungslaufbahn ist es mir passiert, dass ich die Fähigkeiten mancher Kollegen unterschätzt habe – und ihnen nicht ausreichend die Möglichkeit gegeben habe, sich passend zu ihrem Potenzial zu entwickeln. Daraus habe ich viel gelernt: Es ist wichtig, auf jeder Ebene intensiv darauf zu achten, welche Möglichkeiten die Mitarbeiter haben und wie sie ihre Stärken auch wirklich einbringen können. Das hat ganz viel mit Vertrauen, Mut und Verantwortung zu tun. Das Vertrauen und der Mut der Führungskraft, Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen. Aber auch die Sorgfaltspflicht, darauf zu achten: Kommt der Kollege damit klar? Wo muss ich unterstützen? Das Grundprinzip heißt immer: Nase rein – aber Finger raus! Ich bin überzeugt: In unserer HPA schlummern viele versteckte Talente für Führung und Fachlichkeit – die gilt es, zu entdecken, zu fordern und zu fördern."

Stellen Sie sich vor: Sie bekommen Besuch von einem Freund, der noch niemals in Hamburg war. Was würden Sie ihm zeigen?

Matthias Grabe (lacht): "Da kann es nur einen Ort geben – natürlich den Hafen. Ich würde mich bei uns in der Nautischen Zentrale schlau machen, wann der nächste Containerriese im Hafen einläuft. Und dann würde ich mit dem Freund auf einer Barkasse zum Containerterminal fahren und vom Deck aus nächster Nähe beobachten, wie das Schiff auf der Elbe dreht und am Kai festmacht. Diese Größe und diese Kraft sind so beeindruckend, den Eindruck nimmt man einfach mit und vergisst ihn auch nicht so schnell. So ein Erlebnis mitten im Herzen der Stadt – das hat nur Hamburg zu bieten."